Ich bin ein schlechter Selbstredakteur. Was ich selektiv im Internet lese, ist fürchterlich subjektiv motiviert und gibt mir nicht das Gefühl, ausreichend und ausgewogen informiert zu sein.
So ist mein Entschluss gereift, wieder zur
Wochenzeitung zu greifen. (Dass es damit rund drei Monate vor der Bundestagswahl losgeht, ist nicht ganz zufällig.) Dieses Bedürfnis habe ich als Schüler und Student – wenn ich mir den Zeitraum anschaue, vermutlich sogar während ihres kompletten Erscheinens – exzellent mit der Zeitung
Die Woche stillen können, die dann aber aus Wirtschaftlichkeitsgründen eingestellt wurde. Abonnenten haben seinerzeit automatisch den Rheinischen Merkur zugestellt bekommen, den ich aber, vermutlich nur im direkten Vergleich, nicht als adäquaten Ersatz empfunden habe. Und so nahm meine politisch-kulturelle Informiertheit ihren skizzierten Verlauf. (Ganz schlecht ist sie ja jetzt auch nicht. Nur eben subjektiv nicht ausreichend und ausgewogen. Das muss ich nochmal schreiben, damit ich mir selbst nicht wie ein wissensloser Idiot vorkomme.)
Die Wochenzeitung scheint mir ideal zum Lückenstopfen geeignet zu sein: Für eine Tageszeitung fehlt mir die Zeit, wöchentlich erscheinende Magazine haben einen zu hohen Anteil boulevardesker Informationen, die ich als Selbstredakteur ohnehin entdeckt habe, bleibt also die Wochenzeitung als ideale Schnittmenge. Und wenn mal wenig Zeit ist, kann man den politischen Teil am Erscheinungstag lesen, den Rest im Laufe der Woche. Wird ja nicht schlecht.
Gestartet bin ich heute mit der
Welt am Sonntag, immerhin die zurzeit
World's Best-Designed Wochenzeitung. In die engere Wahl der kommenden Wochen passen vermutlich nur noch die
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung,
Die Zeit und
Rheinischer Merkur; die zumindest liegen in der Tankstelle nebenan obenauf. Und vielleicht endet es ja wieder bei einem Abonnement.
Welt am Sonntag
- Preis: EUR 2,90. Wow, da hat das Sich-informiert-fühlen aufs Jahr gerechnet einen stolzen Preis! Aber die anderen Zeitungen werden vermutlich nicht viel günstiger sein. Dafür gab es in der aktuellen Ausgabe aber auch knappe 100 Seiten (inkl. Werbung und Anzeigen). (**)
- Format: Mir zu groß. Die Woche war da anders, die konnte ich bequem und ohne In-der-Mitte-falten und Immer-wieder-was-wegklappen und Bei-langen-Spalten-umdrehen lesen. Das geht hier nicht. (**)
- Inhalt: Themen und Schreibstil sagen mir zu. Viele Interviews, auch mein Ding. Manchmal würde ich mir noch mehr Hintergrundinformationen wünschen – aber das nimmt mit dem Besser-informiert-sein hoffentlich auch wieder ab. (***)
- Fazit: 7 von 9 Punkten
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung
- Preis: EUR 2,90. Also so, wie ich es vermutet hatte: Ein Preissegment für den zahlenden Sonntagsleser. Die Seiten habe ich hier zwar nicht gezählt, aber Rubriken gab es nun wirklich genug. (**)
- Format: Mir noch mehr zu groß. Oder ist das nur subjektiv? Das werde ich am kommenden Wochenende an der Tankstelle noch einmal überprüfen, wenn die beiden bislang getesteten Zeitungen neben- und aufeinander liegen. Also auch hier ein Unentschieden im Vergleich zum WamS. (**)
- Inhalt: Die Themen sagen mir grundsätzlich auch hier zu, ich hatte nur bei vielen Artikeln so meine Schwierigkeiten mit dem Einstieg. Kann eine ganze Zeitung ihren eigenen Ton haben? Vermutlich muss sie das sogar. Dann ist mir dieser jedoch zu kompliziert – und die zahlreichen kleinen Kommentare, Glossen und Randbemerkungen, zum Teil nicht einmal zum Hauptthema einer (Doppel-)Seite gehörig, haben auch nicht zu weiterer Begeisterung geführt. (**)
- Fazit: 6 von 9 Punkten