Ansonsten wenig Identifikationspotenzial

»Die Depressionen hatte ich! Denn mit der Erkenntnis, daß ich nun also der Vater werden sollte, kam auch die Grübelei über das, was man so sachlich 'Lebensentwurf' nennt. Wenn ich in meinem Zimmer saß und über die Zukunft nachdachte, sah ich plötzlich ein Schild vor mir. Darauf stand ziemlich groß: VERPFLICHTUNGEN, JUNGE, DU HAST JETZT VERPFLICHTUNGEN.« (Kester Schlenz, Mensch, Papa!, Goldmann Verlag, 23. Auflage 1996)

Neuer Versuch der klassischen Informationsbeschaffung

Ich bin ein schlechter Selbstredakteur. Was ich selektiv im Internet lese, ist fürchterlich subjektiv motiviert und gibt mir nicht das Gefühl, ausreichend und ausgewogen informiert zu sein.

So ist mein Entschluss gereift, wieder zur Wochenzeitung zu greifen. (Dass es damit rund drei Monate vor der Bundestagswahl losgeht, ist nicht ganz zufällig.) Dieses Bedürfnis habe ich als Schüler und Student – wenn ich mir den Zeitraum anschaue, vermutlich sogar während ihres kompletten Erscheinens – exzellent mit der Zeitung Die Woche stillen können, die dann aber aus Wirtschaftlichkeitsgründen eingestellt wurde. Abonnenten haben seinerzeit automatisch den Rheinischen Merkur zugestellt bekommen, den ich aber, vermutlich nur im direkten Vergleich, nicht als adäquaten Ersatz empfunden habe. Und so nahm meine politisch-kulturelle Informiertheit ihren skizzierten Verlauf. (Ganz schlecht ist sie ja jetzt auch nicht. Nur eben subjektiv nicht ausreichend und ausgewogen. Das muss ich nochmal schreiben, damit ich mir selbst nicht wie ein wissensloser Idiot vorkomme.)

Die Wochenzeitung scheint mir ideal zum Lückenstopfen geeignet zu sein: Für eine Tageszeitung fehlt mir die Zeit, wöchentlich erscheinende Magazine haben einen zu hohen Anteil boulevardesker Informationen, die ich als Selbstredakteur ohnehin entdeckt habe, bleibt also die Wochenzeitung als ideale Schnittmenge. Und wenn mal wenig Zeit ist, kann man den politischen Teil am Erscheinungstag lesen, den Rest im Laufe der Woche. Wird ja nicht schlecht.

Gestartet bin ich heute mit der Welt am Sonntag, immerhin die zurzeit World's Best-Designed Wochenzeitung. In die engere Wahl der kommenden Wochen passen vermutlich nur noch die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, Die Zeit und Rheinischer Merkur; die zumindest liegen in der Tankstelle nebenan obenauf. Und vielleicht endet es ja wieder bei einem Abonnement.

Welt am Sonntag
  • Preis: EUR 2,90. Wow, da hat das Sich-informiert-fühlen aufs Jahr gerechnet einen stolzen Preis! Aber die anderen Zeitungen werden vermutlich nicht viel günstiger sein. Dafür gab es in der aktuellen Ausgabe aber auch knappe 100 Seiten (inkl. Werbung und Anzeigen). (**)
  • Format: Mir zu groß. Die Woche war da anders, die konnte ich bequem und ohne In-der-Mitte-falten und Immer-wieder-was-wegklappen und Bei-langen-Spalten-umdrehen lesen. Das geht hier nicht. (**)
  • Inhalt: Themen und Schreibstil sagen mir zu. Viele Interviews, auch mein Ding. Manchmal würde ich mir noch mehr Hintergrundinformationen wünschen – aber das nimmt mit dem Besser-informiert-sein hoffentlich auch wieder ab. (***)
  • Fazit: 7 von 9 Punkten
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung
  • Preis: EUR 2,90. Also so, wie ich es vermutet hatte: Ein Preissegment für den zahlenden Sonntagsleser. Die Seiten habe ich hier zwar nicht gezählt, aber Rubriken gab es nun wirklich genug. (**)
  • Format: Mir noch mehr zu groß. Oder ist das nur subjektiv? Das werde ich am kommenden Wochenende an der Tankstelle noch einmal überprüfen, wenn die beiden bislang getesteten Zeitungen neben- und aufeinander liegen. Also auch hier ein Unentschieden im Vergleich zum WamS. (**)
  • Inhalt: Die Themen sagen mir grundsätzlich auch hier zu, ich hatte nur bei vielen Artikeln so meine Schwierigkeiten mit dem Einstieg. Kann eine ganze Zeitung ihren eigenen Ton haben? Vermutlich muss sie das sogar. Dann ist mir dieser jedoch zu kompliziert – und die zahlreichen kleinen Kommentare, Glossen und Randbemerkungen, zum Teil nicht einmal zum Hauptthema einer (Doppel-)Seite gehörig, haben auch nicht zu weiterer Begeisterung geführt. (**)
  • Fazit: 6 von 9 Punkten

Ein Verlust. Auch im Regal.

Die Galore wird mit ihrer aktuellen Ausgabe eingestellt. Die habe ich nun echt geliebt.

Originalweisheit

»Wenige von uns haben sich ihre Clubs ausgesucht, sie wurden uns schlicht gegeben; und wenn sie aus der zweiten Division in die dritte abrutschen oder ihre besten Spieler verkaufen oder Spieler kaufen, von denen du weißt, daß sie nichts können, oder wenn sie den Ball zum siebenhundersten Mal in Richtung eines drei Meter großen Mittelstürmers dreschen, machen wir deshalb nichts anderes, als einfach zu fluchen, nach Hause zu gehen, uns vierzehn Tage Sorgen zu machen und wiederzukommen, um erneut zu leiden.« (Nick Hornby, Fever Pitch, Verlag Kiepenheuer & Witsch, 24. Auflage 2005)

Bitte nicht verfilmen

»Es ist Gott, der im Detail steckt, nicht der Teufel. Vielleicht auch beide, dann wird es im Detail allerdings ziemlich eng.« (Ralf Husmann, Nicht mein Tag, Fischer Verlage, 7. Auflage 2008)

Warum verwahrlosen Männer, wenn man sie alleine lässt?

»Du willst wissen, wie es dazu kommen konnte? Warum ich in deinen Augen komplett verwahrlose, wenn du mal für eine Woche nicht da bist? Es ist, weil du nicht da bist. Nichts ist so, wie es sein sollte, wenn du nicht bei mir bist. Das ist der Grund.« (Jan Weiler, in: Ein Mann, eine Frage, Kunstmann, 1. Auflage 2008)

Wahrheit

»Ich glaub, die Wahrheit ist immer einfach. Das muss sie auch sein. Sie muss so einfach sein, dass ein Kind sie versteht. Sonst wär's zu spät. Bis man dahintergestiegen ist, wär's zu spät.« (Cormac McCarthy, Kein Land für alte Männer, Rowohlt Verlag, 1. Auflage 2008)

Weit mehr

»Feiere jeden Titelgewinn, als wäre es der letzte!« (Armin Radtke, Sehnsucht FC Bayern, Verlag Die Werkstatt, 1. Auflage 2009)

Verlieben

Ich bin ja der festen Überzeugung, dass Verlieben (bei mir) so funktioniert, dass man in verhältnismäßig kurzer Zeit verhältnismäßig viel über die andere Person erfährt. Vermeintlich intimes Wissen als Liebesbereiter. Dem steht die Liebe auf den ersten Blick natürlich völlig konträr entgegen. Vielleicht gibt es beides.

Mit meiner Auffassung ist es aber auch nach Jahren noch legitim davon zu sprechen, verliebt zu sein. Und das ist schön.

Aufguss

Wenn man – wie ich im Büro – seinen Tee zubereitet, indem man erst heißes Wasser in die Tasse gibt, dann einen Schuss Milch und erst zum Schluss (am Schreibtisch) den Teebeutel in die Tasse: Darf man das dann noch »Tee aufgießen« nennen? Oder ist das bei Beuteltee ohnehin schon hinfällig?

Extra-Fitness

Jedes Mal, also irgendwie wirklich jedes Mal, frage ich mich bei McFit auf dem Weg zu den Umkleiden im zweiten Stock, warum die keinen Aufzug haben. Und jedes Mal verstehe ich es erneut.

Luderplätze

Okay, lieber Chefproduzent der hinterlektuelles-Show. Grundsätzlich war das echt witzig, die vor der Schweinepest bei Wildschweinen (»Gefährdeter Bezirk«) warnenden Schilder auch an unserem neuen Wohnort aufzustellen. War bestimmt ein großer Lacher bei den Zuschauern, dass die immer da auftauchen, wo ich wohne. Sie jetzt aber auch in dem Stadtteil aufzuhängen, in dem ich arbeite ... da bin ich jetzt schon ein bisschen Tollwut.

Kleiner Wurf

Stöckchen werden heutzutage auch nicht mehr geworfen, was? Nur noch hingelegt. Hol's dir doch selber, du Sau. Pfft.

Facebook

Ich bin ein Freund von, ich bin ein Fan von, gefällt mir. Ist das Zweinullleben nicht ein bisschen ... eingeschränkt?

200

Ich weiß gar nicht, in welchem Pod- oder Blogdings ich von two hundred sit-ups gehört oder gelesen habe, aber ich bin inzwischen am Ende von Woche 4 angekommen. Und habe im Exhaustion Test gerade 52 Sit-ups geschafft, was mich auch für Woche 5 in Spalte 2 hält.

Ich habe zwar keine Ahnung, wie die Steigerung um 148 weitere Sit-ups innerhalb von zwei Wochen erfolgen soll (und ich habe auch schon gesehen, dass es für diesen Fall die Möglichkeit gibt, Extrarunden durch Woche 5 und 6 zu drehen, also zu verlängern, was ja jetzt auch nicht unbedingt schlecht ist); aber die Tatsache an sich, dass ich hier mal eben 52 Sit-ups hingelegt habe (ohne Pausentag, was eigentlich nicht so gut ist, aber ich konnte letzte Woche nicht den Montag-Mittwoch-Freitag-Rhythmus einhalten), ist diesen Eintrag alleine wert.

Ich bin gespannt, ob ich es in den nächsten zwei bis vier Wochen tatsächlich bis zum Batch bringe.

Neinneinnein

Ich habe dieses Blogdings nicht wieder schlagartig vergessen. Sondern einfach nichts zu erbloggen. Bin irgendwie nur auf der Arbeit.

Moment.

Das kann doch jetzt nicht die Lösung sein: Über die Arbeit zu bloggen? Das habe ich mir doch noch mehr verboten als ein Personal Blogdings.

Nächste Misere, vielen Dank. Aber ist kein Ding. Dafür ist so ein Blogdings doch da. Dass man da wieder einen ganz neuen Weg findet. (Mein Lieblings-Arbeits-Blogdings ist ja Buchhändleralltag und Kundenwahnsinn.)

Schlaganfall

Irgendwie aus dem Nichts, aber trotzdem nicht überraschend. Wozu auch immer er gut sein soll, lass ihn für etwas gut sein.

Noch etwas aus dem Bereich

Bei den Personen, die ich ausschließlich beruflich kenne, empfinde ich es oft mehr als befremdlich, private Tweets zu lesen. Weil mich Details über diese Seite des Geschäftspartners nachdenklich stimmen, ob er denn für das Geschäft geeignet ist.

Business-Tweets von allen anderen finde ich zwar manchmal mutig, an der Bekannt-/Freund-/Nachbarschaft zweifeln lassen sie mich aber nicht.

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