Oben ohne
Mein erstes Mal auf Schalke. Die Mannschaft ist mir egal, das Spiel war mir egal, ich habe mich einfach nur auf die Arena gefreut. Beim Betreten der oben offenen Mehrzweckhalle will sich nicht das erhabene Gefühl einstellen, das mir in anderen Fußballstadien regelmäßig Gänse auf die Haut zaubert, wenn sich der Blick beim Verlassen der Katakomben mit jedem weiteren Schritt in Richtung Spielfeld öffnet und man sich der Größe eines Fußballfeldes bewusst wird, das sonst auch in 57 Zentimeter Bildschirmdiagonale passt. Hier betritt man einfach nur eine Halle, die nicht zu vermitteln imstande ist, dass man mit über 50.000 Menschen seinen Sauerstoff teilen muss. Dazu passt auch das Licht: Keine Spur von Flutlicht, das in einer Fußballnacht den Rasen aus der Dunkelheit strahlend erhebt, sondern Rundumscheinwerfer, in denen das Spielfeld wie eine grüne Isomatte wirkt, auf der die Spieler wie frisch aus dem Rechner gerendert herumhüpfen.
Dann der Umschwung: Plötzlich beschimpfen sich die Gegentribünen gegenseitig abwechselnd mit »Schalke 04«, dass das Trommelfell nur so Samba tanzt, plötzlich möchte man aufs Spielfeld laufen (und könnte das auch), um den Stürmer nach der x-ten vergebenen Chance einfach mal zu schütteln, plötzlich wird man Teil der Show, wenn wirklich alle Anwesenden aufstehen, um die Mannschaft(en) anzufeuern. Das ist schön, das macht Spaß, das ist Natriumglutamat für die Fanzunge.
Und dann diese schreckliche Erkenntnis: Das hier ist kein Fußballstadion. Hier geht es nicht um Aggressionen beim Rundledertreten. Das hier ist ein Erlebnispark, hier gehen Familien hin, um sich einen schönen Nachmittag oder Abend zu machen und das eine oder andere Würstchen im Brötchen oder ein paar Pizzaecken zu verdrücken und dabei auch ein bisschen Fußball zu schauen – ob jetzt mit Blick auf den Platz oder auf einem der tausend Monitore auf dem Weg zur Toilette ist dann auch egal. Hier will man aus Fußball ein Event machen, den Sport amerikanisieren.
Ein Abend auf Schalke und ich bin mir sicher: Eines Tages wird man uns unsere wunderbaren zwei Halbzeiten wegnehmen, sie einfach in der Mitte durchschneiden und wir werden uns mit Quarterstatistiken auseinandersetzen müssen.
Dann der Umschwung: Plötzlich beschimpfen sich die Gegentribünen gegenseitig abwechselnd mit »Schalke 04«, dass das Trommelfell nur so Samba tanzt, plötzlich möchte man aufs Spielfeld laufen (und könnte das auch), um den Stürmer nach der x-ten vergebenen Chance einfach mal zu schütteln, plötzlich wird man Teil der Show, wenn wirklich alle Anwesenden aufstehen, um die Mannschaft(en) anzufeuern. Das ist schön, das macht Spaß, das ist Natriumglutamat für die Fanzunge.
Und dann diese schreckliche Erkenntnis: Das hier ist kein Fußballstadion. Hier geht es nicht um Aggressionen beim Rundledertreten. Das hier ist ein Erlebnispark, hier gehen Familien hin, um sich einen schönen Nachmittag oder Abend zu machen und das eine oder andere Würstchen im Brötchen oder ein paar Pizzaecken zu verdrücken und dabei auch ein bisschen Fußball zu schauen – ob jetzt mit Blick auf den Platz oder auf einem der tausend Monitore auf dem Weg zur Toilette ist dann auch egal. Hier will man aus Fußball ein Event machen, den Sport amerikanisieren.
Ein Abend auf Schalke und ich bin mir sicher: Eines Tages wird man uns unsere wunderbaren zwei Halbzeiten wegnehmen, sie einfach in der Mitte durchschneiden und wir werden uns mit Quarterstatistiken auseinandersetzen müssen.
25. Nov 2004, 23:08 | hintermann

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